Freitag, 26. Februar 2010

EIN PAAR GRUNDSÄTZLICHE GEDANKEN...



In meinem Eintrag vom Mittwoch streifte ich ein Thema, das zum besseren Verständnis einiger Erklärungen bedarf - Kriminalität in Südafrika.


Der Reporter eines deutschen Fernsehsenders begleitete einen Tag lang ein Polizeiteam in Johannesburg. Über 300 Autos wurden an jenem Tag als gestohlen oder gekidnappt gemeldet - alleine in Johannesburg. Eine gut organisierte Bande überfällt ein ganzes Einkaufszentrum. Eine Familie wird in ihrem Haus überfallen; der Vater wird erschossen, die Mutter verletzt...


Mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen läßt sich mühelos eine ganze Seite füllen. Und sie entsprechen der Wahrheit. Die große Frage ist nun: Wie geht man damit um?


Nun, da gibt es verschiedene Möglichkeiten und Meinungen, und jede hat ihre überzeugenden Befürworter - oder Gegner.


Man kann z.B. der Ansicht sein, "was soll schon groß passieren? Sicher ist es nicht schlimmer als anderswo auch; einfach ein bißchen aufpassen genügt..." Eine eher oberflächliche Einstellung - leider oft von Touristen praktiziert - die häufig schmerzliche Konsequenzen nach sich zieht.


Eine andere, sehr übliche Reaktion ist der Umzug in eine sog. "gesicherte Wohnanlage." Für einen Normalverdiener bedeutet dies meist ein kleines Haus, oder Teil eines Hauses, mit einem winziges Eckchen eigenes Grün, sowie Tennisplatz und Schwimmbad, die man mit den anderen Bewohnern teilt. Es bedeutet weiterhin allernächste Nähe zum Nachbarn..... Je nachdem, wie viel man ausgeben möchte oder kann, gibt es diese Version auch viel angenehmer: Dann hat das Haus eine ausreichende Größe, ebenso wie der Rasen oder Garten - und die Entfernung zum Nachbarn. Und wenn der Anschaffungspreis kein Diskussionsthema ist, dann sind auch Residenzen erhältlich, die Palästen ähneln.


Allen Versionen gemeinsam ist die Unsicherheit, wenn man nach "draußen" muß; sprich: Da, wo das Leben stattfindet. (N.B.: Ganz sicher ist man auch in jenen Sicherheitsdörfern nicht: Einem Bekannten wurde innerhalb von zwei Wochen gleich zweimal seine teure Breitwandanlage gestohlen - ein Beispiel von vielen ähnlichen).


Und so vergißt man allzuoft bei aller Furcht, Unsicherheit, und Panik die folgende Tatsache: Die überwältigende Mehrheit der Menschen hier verfolgt die gleichen Ambitionen, die man doch selbst hat: Ein sicheres Zuhause - ein Auto - gute Kleidung - eine gute Schulbildung für die Kinder. Oder - wie Ethan - einmal eine Reise machen. Und tragischerweise sind oft gerade jene, denen man mit so viel Misstrauen begegnet, selbst Opfer von Verbrechen. Wie mir eine Bekannte einmal resigniert erklärte: "Einen Zaun? Dafür reicht mein Geld nicht. Und wozu auch? Sobald ich mir etwas Schönes für die Wohnung gekauft habe, kommen sie ja doch wieder und holen es!"


Selbstverständlich wird man auch bei einer realistischen Einschätzung der Situation einige Sicherheitvorkehrungen anwenden: Ist man abends unterwegs und der Verkehr schwach, dann ruhig einmal bei Rot über die Kreuzung fahren - einsam wartende Autos bieten die perfekte Voraussetzung für das eingangs beschriebene "Carnapping". Ähnliche Vorsicht ist vor der eigenen Einfahrt geboten: Komme ich zu einem späteren Zeitpunkt nach Hause, dann drehe ich nochmal schnell eine Runde durch unseren winzigen Stadtteil: Steht da vielleicht irgendwo ein Auto, abgedunkelt? Und so weiter.... man gewöhnt sich daran.


Jedoch - beinahe jedem dunklen Gesicht mit Mißtrauten zu begegnen, ist ungerecht und entwürdigend.


Auch für uns.

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