Freitag, 26. Februar 2010

EIN PAAR GRUNDSÄTZLICHE GEDANKEN...



In meinem Eintrag vom Mittwoch streifte ich ein Thema, das zum besseren Verständnis einiger Erklärungen bedarf - Kriminalität in Südafrika.


Der Reporter eines deutschen Fernsehsenders begleitete einen Tag lang ein Polizeiteam in Johannesburg. Über 300 Autos wurden an jenem Tag als gestohlen oder gekidnappt gemeldet - alleine in Johannesburg. Eine gut organisierte Bande überfällt ein ganzes Einkaufszentrum. Eine Familie wird in ihrem Haus überfallen; der Vater wird erschossen, die Mutter verletzt...


Mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen läßt sich mühelos eine ganze Seite füllen. Und sie entsprechen der Wahrheit. Die große Frage ist nun: Wie geht man damit um?


Nun, da gibt es verschiedene Möglichkeiten und Meinungen, und jede hat ihre überzeugenden Befürworter - oder Gegner.


Man kann z.B. der Ansicht sein, "was soll schon groß passieren? Sicher ist es nicht schlimmer als anderswo auch; einfach ein bißchen aufpassen genügt..." Eine eher oberflächliche Einstellung - leider oft von Touristen praktiziert - die häufig schmerzliche Konsequenzen nach sich zieht.


Eine andere, sehr übliche Reaktion ist der Umzug in eine sog. "gesicherte Wohnanlage." Für einen Normalverdiener bedeutet dies meist ein kleines Haus, oder Teil eines Hauses, mit einem winziges Eckchen eigenes Grün, sowie Tennisplatz und Schwimmbad, die man mit den anderen Bewohnern teilt. Es bedeutet weiterhin allernächste Nähe zum Nachbarn..... Je nachdem, wie viel man ausgeben möchte oder kann, gibt es diese Version auch viel angenehmer: Dann hat das Haus eine ausreichende Größe, ebenso wie der Rasen oder Garten - und die Entfernung zum Nachbarn. Und wenn der Anschaffungspreis kein Diskussionsthema ist, dann sind auch Residenzen erhältlich, die Palästen ähneln.


Allen Versionen gemeinsam ist die Unsicherheit, wenn man nach "draußen" muß; sprich: Da, wo das Leben stattfindet. (N.B.: Ganz sicher ist man auch in jenen Sicherheitsdörfern nicht: Einem Bekannten wurde innerhalb von zwei Wochen gleich zweimal seine teure Breitwandanlage gestohlen - ein Beispiel von vielen ähnlichen).


Und so vergißt man allzuoft bei aller Furcht, Unsicherheit, und Panik die folgende Tatsache: Die überwältigende Mehrheit der Menschen hier verfolgt die gleichen Ambitionen, die man doch selbst hat: Ein sicheres Zuhause - ein Auto - gute Kleidung - eine gute Schulbildung für die Kinder. Oder - wie Ethan - einmal eine Reise machen. Und tragischerweise sind oft gerade jene, denen man mit so viel Misstrauen begegnet, selbst Opfer von Verbrechen. Wie mir eine Bekannte einmal resigniert erklärte: "Einen Zaun? Dafür reicht mein Geld nicht. Und wozu auch? Sobald ich mir etwas Schönes für die Wohnung gekauft habe, kommen sie ja doch wieder und holen es!"


Selbstverständlich wird man auch bei einer realistischen Einschätzung der Situation einige Sicherheitvorkehrungen anwenden: Ist man abends unterwegs und der Verkehr schwach, dann ruhig einmal bei Rot über die Kreuzung fahren - einsam wartende Autos bieten die perfekte Voraussetzung für das eingangs beschriebene "Carnapping". Ähnliche Vorsicht ist vor der eigenen Einfahrt geboten: Komme ich zu einem späteren Zeitpunkt nach Hause, dann drehe ich nochmal schnell eine Runde durch unseren winzigen Stadtteil: Steht da vielleicht irgendwo ein Auto, abgedunkelt? Und so weiter.... man gewöhnt sich daran.


Jedoch - beinahe jedem dunklen Gesicht mit Mißtrauten zu begegnen, ist ungerecht und entwürdigend.


Auch für uns.

Mittwoch, 24. Februar 2010

LOBOLA


Ich hatte im Nachbarstädtchen etwas erledigt und befand mich auf der Rückfahrt. Für die Hinreise hatte ich die Autobahn genommen und teure Mautgebühren bezahlt. Nun fühlte ich mich - Aufgabe erfolgreich erledigt - etwas entspannt. Die eher gemütliche Landstraße würde mir die Gelegenheit geben, mich gedanklich mit der nächsten Aufgabe zu befassen.

So bemerkte ich ihn gleich, als die Straße nach einer Kurve in eine Gerade überging. Aufrecht, mit der den Schwarzen eigenen Würde, stand er am Straßenrand und blickte in die Landschaft auf der anderen Seite. Ein beginnendes Bäuchlein zeigte, daß er seine Jugend schon hinter sich gelassen hatte. Beim Geräusch meines herannahenden Autos blickte er in meine Richtung und hob leicht und gelassen seine Hand.


Mein erster Impuls war anzuhalten, wie schon so oft. Aber sofort stürmten andere Gedanken auf mich ein: Kriminalität - Berichte in der Zeitung - man weiß nie..... Und dann fiel mir eine gute Bekannte ein, die sich nur noch aus ihrer Einfahrt getraut, wenn Nachbarn sich auf der Straße zeigen... Nein - ich würde es nicht zulassen, daß meine Überlegungen, Begegnungen - ja, mein Leben nur von Furcht bestimmt waren! Ich bremste, fuhr auf den unbefestigten linken Straßenrand und hielt an.

Montag, 22. Februar 2010

...UND BAUHINIAS.

Sollte jemand meinen Blog bisher verfolgt haben, so dürfte ihm/ihr seit vergangenem Donnerstag ein Foto neben meinem Namen aufgefallen sein: Es handelt sich um die Blüte einer Bauhinia.


Vor einigen Tagen hatte ich drei Knospen an meinem Bäumchen entdeckt; sehr interessant deshalb, weil die Bauhinia eigentlich ein Frühlingsblüher ist! Also wartete ich darauf, daß sich eine Blüte öffnen würde, um ein brandneues Foto von ihr präsentieren zu können. Da sie immerhin für meine Blog-Adresse Patin stand, hat sie es verdient, daß ich ihr an dieser Stelle etwas Aufmerksamkeit schenke.


Natürlich - wie sollte es anders sein - war mir damals zuerst das weithin leuchtende Lila-Rosa dieses Blütenbaumes aufgefallen. Ich hielt am Straßenrand und sah mir die Blüten genauer an. Wunderschön - in Farbe sowohl in Form. Ungewöhnlich waren die Blätter; gerade so, als wären jeweils zwei von ihnen an ihrer Längsseite zusammengewachsen. "Bi-lobal" nennt es wohl der Botaniker. Ich entfernte eine Blüte und fuhr damit zum nächsten Gartenzentrum. Nein - man war sich nicht sicher...Das überraschte mich ein bißchen. Zwar sieht man diese Bäume nicht so häufig wie die Jakarandas, die ja ganze Straßenzüge säumen; dennoch gehören sie zum Bild der Stadt.

In einem Blumengeschäft half man mir weiter: "Das ist eine Bauhinia, und es gibt sie auch in Weiß. Stammt aus dem asiatischen Raum...." Nun wußte ich, wonach ich zu suchen hatte.

Steht er nicht in Blüte, so wirkt dieser Baum eher unscheinbar. Sein Wuchs ist gedrungen, der Stamm selten gerade. (Hier habe ich eingegriffen und meinem Baumkind für eine Weile eine Schiene angelegt. ) Nach der spektakulären Blüte bedecken bald grüne, dann braune Schoten das Blattwerk. Ich schüttele sie meist herunter, um weniger oft fegen zu müssen - noch ist die Bauhinia klein genug...

















Donnerstag, 18. Februar 2010

ZEIT DER SPINNWEBE


Mittlerweile ist bei uns der Spätsommer eingekehrt.


Es scheint, als habe sich die Sonne während der vergangenen Wochen und Monate verausgabt und sei nun etwas milder gestimmt, denn ihr Licht wirkt weich und freundlich. Die Morgenluft ist frisch; die Farben der Natur klar und leuchtend.



Tritt man morgens durch die Tür, so versperren jetzt manchmal feingesponnene Spinnfäden den Weg nach draußen. Beim anschließenden Rundgang durch den Garten finde ich die kunstvollen Netze an Büschen und Gräsern. Oft sitzt die kleine Spinne regungslos am Rand, geduldig auf Beute wartend.



Etwas größer ist die Regenspinne: Sie hat etwa die Größe einer Kinderfaust und hält sich auch mal in den dunklen Ecken wenig benutzter Innenräume auf. Körper und Beine sind pelzig behaart - sie wirkt fast kuschelig! Und in diesem Fall trügt auch nicht der Schein, denn sie ist tatsächlich gänzlich ungefährlich. Wird sie entdeckt, so hat sie nichts Eiligeres zu tun als sich in ein anderes dunkles Versteck zu flüchten. Zu ihren Lieblingsspeisen gehören Mücken und andere Insekten.



Die niedliche Spinne auf dem Foto entdeckte ich in einer Kletterrose. Sie hatte das zarte Rosa der "Panerosa" angenommen und wartete, somit gut getarnt und kaum erkennbar, im Blütenkelch auf Beute. Ich brauchte etwas Geduld für das Foto; ein dicht vorbeitaumelndes Insekt brachte sie schließlich mit einem Sprung an den Rand der Blüte.

Dienstag, 16. Februar 2010

SOMMERSEGEN - TEIL 2




Gestern war es soweit: Ich konnte drei unserer kleinen "Gem-Squash" ernten - genug für eine Mahlzeit!

Mußte dabei leider feststellen, daß sich bei einigen Blättern des Kürbis ein leichter Schimmel bemerkbar macht; auch waren einige Blüten vertrocknet, bevor sie sich entfalten konnten. Mein Wissen über den Kürbisanbau ist sehr begrenzt; Kürbis braucht Platz, und bisher war ich nicht bereit, ihm einen Teil meiner Blumenbeete zu opfern. Was er sich nun selbst erobert hat - denn sicherlich hätte ich ihn nicht neben Yucca, Palme und Hibiskus gepflanzt!


Ich bin sehr bestrebt, "chemische Keulen" von meinem Garten fernzuhalten. Was mir - bis auf die Rosenpflege - auch meist gelingt. So kaufte ich mir kürzlich ein Buch über Gemüseanbau ohne Gift. Darin wird empfohlen, bei leichtem Grauschimmelbefall die Kürbisblätter mit einer Mischung aus Wasser, Paraffin, Spüli und Soda-Bicarbonat zu besprühen. Hoffentlich hilft es!

Nachfolgend eine einfache und dennoch sehr schmackhafte Zubereitungsart für "Gem-Squash:"


Rezept
Einige Mini-Kürbisse in einen Topf mit sprudelnd kochendem Wasser geben. Bei mäßiger Hitzezufuhr garen lassen - ca. 1/2 - 1 Stunde, je nachdem, wie jung die Kürbisse sind. Herausnehmen, abkühlen lassen, halbieren, Samengehäuse entfernen. Etwas geraspelten Käse in die Mulde geben, mit wenig Semmelbrösel und einem halben Esslöffel Olivenöl abschließen. Unter dem Ofengrill kurz überbacken.

Sehr lecker mit frisch gebackenem Brot!


P.S. Hatte die Absicht, meinen heutigen Eintrag mit einem - ebenso schnellen - Rezept für jene Kürbisart abzuschließen, die ganz sicher auch in Deutschland erhältlich ist. Aber es ist praktischer, damit bis zum Herbst (des Nordens) zu warten. Habe mir ein Datum vorgemerkt!







Sonntag, 14. Februar 2010

EIN BESONDERES BÄUMCHEN



In meinem letzten Bericht ging es um das Umpflanzen eines Hibiskus-Hochstämmchens. Zu diesem Bäumchen gibt es eine Vorgeschichte, die erwähnenswert ist:


Liebe Elke,


...kannst Du Dich noch an meinen Brief erinnern, in dem ich Dir vom Kauf meines Hibiskus-Bäumchens erzählte?


Der mir zugeteilte Helfer jener Gärtnerei hatte eifrig und gewissenhaft alle vorhandenen Hochstämmchen begutachtet - auf Wuchs, Wurzelstand, usw - und mir schließlich behutsam eines vor die Füße gestellt. Sein schwarzes Gesicht glänzte vor Eifer: "Dieses, Ma'am, ist das richtige!" Mein Herz sank, als ich mir das Etikett genauer ansah: Die Farbe war mit Rot angegeben! Ich hatte doch einen Rosa-Ton gesucht; Rot wollte ich auf keinen Fall!


Aber weil ich so viel Dienstfertigkeit und Entgegenkommen nicht enttäuschen wollte, hatte ich mich dennoch freundlich bedankt und das Bäumchen mitgenommen. Und zu Hause erstmal in eine Ecke gestellt...


Und da stand es dann einige Wochen. Schließlich raffte ich mich auf und pflanzte das kleine Hochstämmchen in den hinteren Garten. Nun entdeckte ich heute morgen auf meinem Rundgang, daß sich die erste Blüte geöffnet hat. Und stell Dir vor, Elke: Die Farbe ist gar nicht rot - sondern ein wunderschönes rosa-rot!
(aus einem Brief an eine Freundin, Oktober 2007)





Donnerstag, 11. Februar 2010

SOMMERSEGEN




Beginnend neben dem Tor der Einfahrt zieht sich ein schmales, leicht erhöhtes Beet ein kurzes Stück den Zaun entlang. Ich hatte es vor gut einem Jahr angelegt, mit der Absicht, diesen Abschnitt des Palisadenzaunes etwas freundlicher zu gestalten. Auch brauchten die junge Palme sowie der Yucca dort etwas Gesellschaft. Als erstes hatte ich ihnen ein Hibiskus-Hochstämmchen zur Seite gestellt; seine Blüten ein wunderschönes rosa-rot. Auf seinem bisherigen Standort im hinteren Teil des Gartens war es dem Bäumchen zu schattig gewesen, und es mochte kaum blühen.


Weihnachten mit all seinen Geschäftigkeiten, die Vorarbeiten für mein Blog-Projekt und noch einiges mehr, das dringend erledigt werden mußte, hatten mir während der letzten Wochen kaum Zeit für Gartenarbeit gelassen. Die einzige Zuwendung für dieses Beet hatte darin bestanden, im Vorbeigehen rasch eine verblühte Margarite zu köpfen. Und immer hatte ich mir vorgenommen, mich "demnächst" um das Unkraut dort zu kümmern.


Vorgestern war es soweit. Ich begann, mit einer Gabel die Wurzel hartnäckiger Gräser zu lockern. Ja - was blühte denn da? Vorsichtig entwirrte ich dürre Gräser und welke Margaritenstände - und in strahlendem Gelb leuchteten sternenförmige Blüten! Bei näherem Hinsehen entdeckte ich auch einige dunkelgrüne, glänzende Kugeln - hier wuchs ein wahrer Segen von "Gem Squash", eine Art von Mini-Kürbis! Die hohen Margaritenstände - und Unkraut! - am Fuß der Palme hatten sie unentdeckt bleiben lassen.


Gestern fuhr ich zum Baumarkt und erstand einige Bambusstangen. Nun klettert der kleine Kürbis statt am Boden nach oben...





Dienstag, 9. Februar 2010

BITTE RECHT HÖFLICH!


Ich besuchte eines der großen Einkaufszentren hier mit der Absicht, die Weihnachtsdekoration zu fotografieren. Über eine Ballustrade in der dritten Etage gebeugt gelang es mir, einige passable Aufnahmen zu machen. Ich hörte ein Räuspern hinter mir und drehte mich um. In respektvollem Abstand, etwa 2 Schritte entfernt, stand der Diensthabende einer Sicherheitsfirma, hübsch anzusehen in seiner sandfarbenen, mit Rot abgesetzten Uniform.


Er kratzte sich höflich am Kopf: "Wie geht es Ihnen, Ma'am?" (Eine übliche Kurzform von 'Madame'). Danke, mir ging es gut. Und ihm? "Was das betrifft, so geht es mir auch gut."


Pause.


"Sie fotografieren, Ma'am?" "Ja - ich mache ein paar Aufnahmen der Weihnachtsdekoration." "Ihnen gefällt das Einkaufszentrum?" "Ja, es ist sehr schön."


Pause. Nun durfte man zur Sache kommen.


"Sehen Sie, die Sache liegt so. Die Leitung des Zentrums mag es nicht, wenn die Leute fotografieren." "Warum denn nicht?" "Die Leitung sagt, die Leute kommen, machen Fotos, und später wird dann einer der Läden hier überfallen ."


Nun, ein durchaus vernünftiger Grund für ein Fotografierverbot. In vielen Einkaufszentren wurden in den letzten Jahren Raubüberfälle verübt. Manchmal "nur" auf einen der Läden - meist ein Juwelier. Jedoch kam es auch schon vor, daß ein ganzes Zentrum überfallen wurde.


Ich versichere dem jungen Mann daß ich seine Vorsichtsmaßnahmen unterstütze, und stecke die Kamera wieder ein. Er verabschiedet sich mit "Vielen Dank für Ihr Verständnis, Ma'am. "


Es gilt als sehr unhöflich, gleich zur Sache zu kommen...

Sonntag, 7. Februar 2010

UND NUN - WORUM ES EIGENTLICH GEHT...



Wieder sind einige Jahre verganangen, haben sich Lebensumstände verändert. Die stolze Palme erhielt als Gesellschaft zwei Artgenossen, und zu den aprikosenfarbenen Cannas gesellten sich solche in orange, gelb, lachsfarben und zartem Rosa. Das dichte Blätterdach eines Celtis Africana spendet auch im Hochsommer kühlenden Schatten; man verweilt dann gerne dort.


Der Celtis ist unser einziger Laubbaum im Garten. Dies bedeutet, daß während der Herbstmonate April und Mai etwas von der Herbst-Ambiente der nördlichen Hemisphere den Garten verzaubert.


Ein weiteres Lieblingsplätzchen hat sich am Ende der Einfahrt ergeben. Umgeben von Rosen kann man dort perfekt das Frühstück einnehmen - oder das Glas Rotwein an einem Sommerabend. Und versteckt unter den herabhängenden Zweigen einer Akazie lassen sich die Vögel beobachten, die zu verschiedenen Tageszeiten den Garten besuchen - den rostbraunen Afrikanischen Hoopoe (Upupa africana), mit seinen weiß-grau gesprenkelten Flügeln und der imponierenden Krone, ähnlich dem sog. Irokesen-Schnitt junger Männer; die fleißigen gelben Webervögel. Oder den rotäugigen Bulbul (Pycnonotus nigricans), Schrecken unserer Katze Minka: Seine Aufgabe ist es, andere Vögel vor Feinden wie z.B. Schlangen zu warnen. Er verrichtet seine Aufgabe sehr gewissenhaft und ist auch nicht zu täuschen, wenn Minka sich unter den großen Canna-Blättern verstecken will. Erst nachdem sie ins Haus geflüchtet ist, verstummt sein Gezeter, und er schwingt sich davon: Aufgabe zur Zufriedenheit ausgeführt...


Und darum geht es in meinen Geschichten - um den Garten, wie er entstand und lebt. Ich werden von den Tieren erzählen, die zu ihm gehören - manche nur vorübergehend - und von den Menschen in diesem Teil der Welt - was sie berührt, was ihnen wichtig ist, und warum. Und wie man trotz persönlicher Kümmernisse, Kriminalität und Arbeitslosigkeit nach der Devise lebt: Es gibt immer etwas Schönes, woran man sich freuen kann......




Samstag, 6. Februar 2010

VON PIONIEREN UND VERSTECKTEN KRÄFTEN




Es war ein Neubeginn in vielerlei Beziehung, denn die Vorbesitzer hatten dem Garten gegenüber eine eher liberale Einstellung gepflegt:


Zum Fuß dieser wunderschönen Akazie wuchsen zwar orangefarbenen Clivias, umgeben von einer niedrigen Einfassung von Eisenbahnbohlen. Aber die wilden Erdbeeren stellten sich als robuster Bodendecker heraus, dessen kleine Früchte nicht zum Verzehr geeignet sind - es sei denn, man ist ein Vogel..oder eine Schnecke...


Und einzige Nachbarin der Akazie im vorderen Gartenbereich war eine hohe, schlanke Palme am Ende der Einfahrt - einsame Wächterin dieses zweiten Eingangs.


Pioniergeist war gefragt; auch dann, wenn gerölliger Boden das Bearbeiten erschwerte. Und eines Tages stieß mein Spaten nicht auf Geröll, sondern auf Bauschutt. Beim Bau des Hauses hatte man einen Teil des Abfalls auf diese Weise eben schnell mal "entsorgt". In beiden Fällen mußte dann der Boden ausgehoben und mit guter Gartenerde ersetzt werden.


Ich stellte einen Mann ein, der mir einmal pro Woche bei diesen schwereren Gartenarbeiten zur Seite stehen sollte. George war eigentlich Bauarbeiter gewesen, nun schon "etwas älter", und faszinierte besonders, wenn er lächelte: Dann wurde ein einziger, nikotingelber Zahn sichtbar. Ich hatte nie das Herz, ihn nach den übrigen verbliebenen Zähnen zu fragen; jedenfalls war keine Behinderung festzustellen, wenn es um das sorgfältige Abnagen kleiner Hühnerknochen ging!


George war stolzer Zulu. Er sprach Afrikaans, etwas Englisch, und natürlich Zulu - und sicher auch noch die eine oder andere der schwarzen Sprachen hier. Das war bemerkenswert, hatte er doch - wie fast alle seiner Generation - kaum Schulbildung erfahren. Über manches sprach er gerne - über anderes nicht. So z.B als er seinen Weihnachtsurlaub nach eigenen Gutdünken verlängerte.


Die Weihnachtszeit ist hier die eigentliche Urlaubszeit; Firmen nehmen ihren Jahresurlaub und die Schulen schließen ihre Pforten schon Anfang Dezember. Erst so etwa Mitte Januar geht dann alles wieder seinen gewohnten Gang.


Allerdings nicht für George. In jenem Jahr tauchte er auch nicht Ende Januar auf. Februar kam und ging, und ich machte mir große Sorgen um ihn, verbrachte oft Zeit am Telefon, um Verwandte oder Kontakte von ihm zu erreichen. Umsonst. Mitte März tauchte er wieder auf. Auf meine Fragen reagierte er sehr ausweichend, und ich beließ es dabei. Mir blieb auch nichts anderes übrig.


Bemerkenswert an George war seine Stärke. Anfangs sorgte ich mich öfters, ob ich ihn mit einer bestimmten Aufgabe auch nicht zu sehr strapazierte, war er doch schon lange nicht mehr "taufrisch". Dann sorgte ein kleines Erlebnis dafür, daß ich ihm anstehende Arbeiten entspannter übergeben konnte:


Ich wollte das Beet unter der großen Akazie verändern und bat George, mir dabei zu helfen, die Eisenbahnbohlen zur Seite zu tragen. Man hatte für den Bau der Eisenbahntrassen schwerstes Holz verwand; in denke, in Deutschland war das ähnlich. Ich konnte jene Bohlen kaum bewegen. George bedeutete mir, zur Seite zu treten; ich war ihm im Weg. Er stellte das Holzstück auf den Kopf, tastete kurz nach einem guten Griff - und im nächsten Moment lag es auf seiner Schulter! Ich war sprachlos vor Staunen - was George mit einem kleinen, verständnisvollen Lächeln quitierte. Man weiß doch, wie schwach diese weißen Madams sind.....


Wie eine jener Pioniersfrauen fühlte ich mich auch, als ich in einem dunklen Winkel des Gartens plötzlich eine Canna-Blüte entdeckte. Das beinahe auberginefarbene Blattwerk hatte mich schon eine Weile fasziniert; die Staude war entstanden, nachdem ich mit einer regelmäßigen Bewässerung begonnen hatte. Sicher hätte ein Gärtner, seines Namens würdig, die Canna alleine vom Blatt her erkannt, trotz der ungewöhnlichen Färbung. So vieles war zu lernen....


Diese Canna-Blüte nun leuchtete in einer höchst ungewöhnlichen Farbkomposition: Das Innere der Blüte begann in einem sanften Gelb, ging dann über in zartes Aprikose, wobei die äußeren Blütenränder dann wieder Gelb sein konnten - als hätte ein Farbpinsel vorsichtig darüber gestrichen. Sie konnten sich aber auch in Aprikose öffnenen, diesen Ton beibehalten - oder in Gelb übergehen. Die Farbvariationen kannten keine Grenzen, wie ich im Laufe der folgenden Jahre feststellen sollte. Während all der früheren Jahre in diesem Winkel der Erde hatte ich nie eine solche Canna gesehen.


Cannas sind Sonnenanbeterinnen. Der bisherige Standort war zu dunkel gewesen, und auch bei guten Regenfällen hätten sie nur Blattwerk hervorgebracht. Jedoch geht meine Vermutung dahin, daß der Erbauer des Hauses sich durchaus dieser Tatsache bewußt war - daß jedoch jener Teil des Gartens damals etwas Sonne abbekommen hatte. Erst im Laufe der Jahre waren die Hecken und kleinen Bäume, war eben dieser Schattenbereich entstanden.


Ich fand für jene Canna ein freundlicheres Plätzchen. Inzwischen hat sie viele Nachkommen....






Freitag, 5. Februar 2010

ENDLICH - EIN GARTEN IN AUSSICHT


Als wir nach der Besichtigung wieder im Auto saßen, sprudelte es aus Elsie heraus: "...und das ganze Erdgeschoß hat Naturfliesenboden; also, ich überlege mir jetzt ernstlich, ob ich zu Hause nicht...aber das mußt Du doch gesehen haben?" Nein - von welcher Beschaffenheit der Fußboden des Erdgeschoßes war..also, da hätte ich erst mal kurz nachdenken müssen...aber woran ich mich erinnerte, war viel aufregender: "Hast Du die Akazien gesehen? Vier! Und ich denke sogar, jede ist eine andere Art. Die im hinteren Garten dürfte eine Schirm-Akazie sein, sie überspannt ja fast das ganze Grundstück dort. Darunter könnte man perfekt einen Tisch ausrichten; und dann könnte man draußen die Mahlzeiten einnehmen, besonders, wenn es heiß ist! Und dort, wo die Bäume etwas wild ineinanderwachsen - hast Du diesen Teppich aus wilden Erdbeeren bemerkt?"


Es sollte nicht das letzte Mal sein, daß man mit Befremden auf meine Prioritäten reagierte: Das Haus war Mittel zum Zweck. Es war notwendig, denn es würde Schutz und Sicherheit bieten.


Aber zum Entspannen, Freuen, Inspirieren lassen - dafür wollte ich einen Garten schaffen, der in all den Farben leuchten würde, die ich so lange vermißt hatte.


Der Anfang war gemacht.

Donnerstag, 4. Februar 2010

DIE SUCHE


Donnerstag, 4. Februar


Hier ist der Anfang des gestrigen Textes, der durch die verkehrt plazierten Fotos verdeckt wurde:


...Lebensumstände ändern sich. Und irgendwann fand ich mich, nun mit Familie, in Deutschland wieder.....


Aber nun weiter mit der Vorgeschichte....

Eine Rückkehr machten wir davon abhängig, ob sich ein neues Zuhause finden ließe, das unseren preislichen Vorstellungen entsprechen würde. - Meine anfängliche Zuversicht änderte sich bei der Ansicht des ersten Objekts: Ein winziges "Stadthaus", innerhalb einer sog. "gesicherten Anlage" gelegen, mit einem Garten nicht viel größer als ein Strandtuch. (Das Foto im Immobilien-Teil der Zeitung konnte nur mit Hilfe eines guten Weitwinkelobjektivs entstanden sein...)

So ging es tagelang weiter. Was immer von Größe oder Garten her interessant war wurde aussichtslos, wenn ich den Verkaufspreis hörte. Und eines Abends mußte ich einer enttäuschten Familie in Deutschland mitteilen: "Kann leider nichts Passendes finden." Der Rückflug war für den übernächsten Tag gebucht.

Am nächsten Morgen schlug meine Bekannte vor, nochmals jenes Maklerbüro aufzusuchen, das unserer gewünschten Lage am nächsten lag- ohne uns um den Immobilienteil der Zeitung zu kümmern. Hatte meine Zuversicht von Tag zu Tag abgenommen, so war es bei ihr umgekehrt: Mit jedem der besichtigten Häuser war ihr Enthusiasmus gestiegen; fast immer hatte sie einen Aspekt entdeckt, der sich vielleicht in ihrem eigenen Heim einbringen ließe...

Der Glücksfall trat ein. Und als "Glücksfall" bezeichnete auch die Maklerin das Anwesen, das erst seit jenem Morgen wieder zum Verkauf stand...

Mittwoch, 3. Februar 2010

...DAS LEUCHTEN DER JAKARANDAS...










Lebensumstände ändern sich, und irgendwann fand ich mich, nun mit Familie, in Deutschland wieder.








Die Jahre vergingen, und hin und wieder wurde ich gefragt: "All die großen Tiere da unten, die Giraffen, Löwen, usw - vermißt Du das nicht ein bißchen?" Oder: "Vermißt Du nicht die Sonne?
Sicher - oft gingen meine Gedanken in diese Richtung.


Aber am meisten, am allermeisten fehlte mir die leuchtende, farbenprächtige Natur des südlichen Afrika.


- Das Tiefblau des Winterhimmels über dem Highveld,


- ein Sonnenuntergang im Buschveld

- das irisierende, blau-lila Leuchten der Jakaranda-Bäume, das ganze Straßenzüge in ein
märchenhaftes Licht taucht;


- die roten oder orangefarbenen Canna-Stauden, die im Licht eines frühen
Sommerabends noch an Leuchtkraft zuzunehmen scheinen;


- oder die knallgelben Webervögelchen, die mit Ausdauer den Neuwuchs aus einem halb
entrollten Palmenblatt zerrten, um damit weiter an ihren Kugelnestchen zu bauen -




all das fehlte mir sehr.














Dienstag, 2. Februar 2010

VOR VIELEN JAHREN ...

WIE ALLES BEGANN.....



Links: Taglilie

Rechts: Oktober ist der Monat
der Jakaranda-Blüte










Liebe Elke,


die Sichel des Mondes liegt wie eine Wiege am Himmel.... und die Sterne! Letztes Wochenende waren wir wandern in den Magaliesbergen, das ist eine Hügelkette, etwa eine Stunde entfernt. Wir übernachteten in Rondavels, wie man diese runden, grasgedeckten kleinen Häuschen hier nennt. Ich war froh, daß Edgar mitgekommen war, denn auf dem Rückweg von unserer Wanderung - es war schon dunkel - begann er, uns den Sternenhimmel der südlichen Halbkugel zu erklären. So z.B. das Kreuz des Süden mit seinen "Pointers", den drei Sternen die, in gerader Linie, auf diese Sternenformation zeigen.

Du kannst Dir diese Pracht des Sternenhimmels hier nicht vorstellen!

Später suchten wir im Schein eben jener Sterne - und unserer Taschenlampen - den Weg zu unseren Rondavels. Und da war plötzlich dieser Duft in der warmen Nachluft; so wunderbar und exotisch, und irgendwie total passend zu unserem "Sternenerlebnis". Ich wollte erkunden, woher dieser Duft kam, aber Edgar meinte nur leichthin, es handele sich nur um eine Brunfelsia pauciflora.

Am nächsten Morgen sah ich mir den blütenübersäten Strauch genauer an. Seine Blüten, so ließ ich mir sagen, öffnen sich in einem tiefen lila-blau und nehmen dann täglich einen helleren Ton an - bis hin zu Weiß. Weshalb man diesen Busch auch Gestern-Heute-Morgen nennt.





(aus einem Brief an eine Freundin, Mitte Siebziger Jahre)