Seiten

Samstag, 15. Januar 2011

PFLEGEKIND GESUCHT


Marshmellow-Canna

Normalerweise kann man an einem Gautenger Sommertag die folgende Wettersituation erwarten:
 Spätnachmittag. Am Hoizont türmen sich Wolken auf und überziehen innerhalb kürzester Zeit den makellosen Sommerhimmel. Blitze und Donner stellen sich ein; das Sommergewitter nimmt seinen Lauf. Nach zwei oder drei Stunden lichtet sich die Wolkendecke; die ersten Sterne werden sichtbar.



Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wieder von einem makellosen Himmel. Die Welt sieht wie frisch gewaschen aus. Der Tag kann beginnen

Schmetterlingsblume (Gaura lindheimeri)

Wie gesagt – dies wäre unser ‚normales’ Sommerwetter. Nicht so in diesem Jahr. Dieser Sommer ist zweifellos der regenreichste seit unserer Ankunft in Pretoria vor einigen Jahren! Der Regen bzw. das Gewitter wird oft von heftigen Stürmen begleitet. Und so ist es nicht verwunderlich, daß wir nach einem solchen Sturm regelmäßig Vogelnester am Boden finden. Und hin und wieder auch ein Vogelbaby.

Dies war auch kürzlich wieder der Fall. Ob der Sturm das Küken vom Baum geworfen oder seine Eltern es verstoßen hatten, weil es nicht ganz gesund war – wer wollte das wissen?


Mein Mann erwischte das Vogelkind vor unserer Minka. Und nun begann eine fast beispiellose Pflege: Ein Vogeldoktor wurde gesucht und gefunden. Als ich meinen Staubwedel aus weichen Straußenfedern vermißte, entdeckte ich ihn – im Karton des Vögelchens! Er simulierte dort den wärmenden Körper der Vogeleltern.

Alle vier Stunden war das Baby zu füttern. Mein Mann ging kein Risiko ein – der Karton hatte einen festen Platz neben seinem Schreibtisch. Und als er zu einem entfernt liegenden Stück Land reisen mußte, da fuhr sein Pflegekind mit!


Plumbago

Schon wenige Stunden nach seiner Ankunft bei uns ließ das Vogelbaby ein entzücktes
"Tschirp-Tschirp!“ vernehmen, sobald es die Stimme meines Mannes hörte. Was diesen außerorderlich freute. Ja – ich weiß nicht, wer in jener Zeit glücklicher war: Pflegekind oder Pflegevater? Hier war ein Küken, das ihn brauchte. Denn seinem eigenen – unserer Illana – hatte er ja leider nicht helfen können....

Leider hat diese Geschichte kein Happy-Ende. Der Tierarzt sollte recht behalten – trotz bester Pflege starb das Vogelkind. Aber wir sind zuversichtlich: Sicher wird wieder einmal eines vom Baum geweht. Denn der nächste Gewittersturm kommt bestimmt.


Samstag, 8. Januar 2011

AGAPANTHUS - BLUME DER LIEBE














Mein Blog handelt in erster Linie von meinem Garten. Und so möchte ich zu Beginn des neuen Jahres eine Staude vorstellen, die zu den beliebtesten in Südafrika’s Gärten gehört: Es handelt sich um die Schmucklilie.


 Bei uns ist sie unter ihrem griechischen Namen, Agapanthus, bekannt. Jene Lehrerin, die ich bereits im Beitrag "Gardinenpredigt" vorstellte, erinnert mich gerne daran, daß dies soviel wie "Blume der Liebe" bedeutet. Sie ist die erklärte Lieblingsblume der alten Dame; kein Rosenstrauß zaubert ein solches Leuchten auf ihr Gesicht wie ein Armvoll dieser himmelblauen Blütenstengel! Vielleicht auch deshalb, weil beide ihre Heimat im Kapgebiet haben...

Die hohen, elegant anmutenden Blütentriebe können eine Höhe von 1 m erreichen. Als echte Südafrikanerin liebt sie natürlich die Sonne. Trockenheit und sogar etwas Vernachlässigung nimmt sie nicht besonders übel; in einem solchen Fall ist lediglich ihre Blühfreudigkeit beeinträchtigt – vorübergehend. Denn bei regelmäßigem Bewässern zeigt sie in der folgenden Gartensaison wieder ihre leuchtendblauen oder weißen Blüten.

Als wir vor einigen Jahren unser Haus hier erwarben, entdeckte ich Vertreterinnen der Staude in der dunkelsten, unwegsamsten Ecke des Gartens. Worum es sich handelte, wußte ich zuerst nicht. Dann erlebten wir einige Wochen heftiger Regenfälle, und irgendwann fiel mir ein einziges, himmelblaues Leuchten in jenem Winkel auf. Da ich die wunderschöne Blüte nicht opfern wollte, trennte ich ein Blatt ab – davon gab es reichlich – und trug es in ein Gartenzentrum: Welche Blume blühte da in meinem Garten? Und was mußte ich tun, um alle anderen, gleichen Stauden dort ebenfalls zum Blühen zu bringen?

Nun – zuerst einmal mußten sie umziehen, erklärte man mir. Keine Sonne – keine Blüten! Dies bedeutete - sämliche Stauden brauchten ein neues Zuhause.
Inzwischen wachsen die blauen Blumen entlang des Palisadenzauns, der das Eckgrundstück auf zwei Seiten einfaßt – jede einzelne von ihnen stammt aus jener Schattenecke.  Neuankömmling ist die weiße Variante, etwas seltener und auch nicht so robust.

Montag, 3. Januar 2011

KALENDERGESCHICHTE


Willkommen, 2011...

Während meines Deutschland-Besuchs im vergangenen Jahr entdeckte ich einen ungewöhnlichen Wandkalender:  Die Monatsblätter zeigen Blühpflanzen oder Früchte, die typisch für die jeweilige Jahreszeit sind – sowie eine markierte Stelle, die beim Darüberstreichen den spezifischen Duft freigeben soll. „Wunderbar“, freute ich mich. „So werde ich jeden Monat daran erinnert, was in Deutschland gerade blüht bzw. in Saison ist!“

Montag, 27. Dezember 2010

DIE ZEIT ZWISCHEN DEN JAHREN

 Die Hektik der Vorweihnachtszeit ist Vergangenheit. Auch Mütter und geschäftige Hausfrauen dürfen sich nun etwas Entspannung leisten – nach Möglichkeit am (und im) eigenen Schwimmbecken. Laut Statistik hat Johannesburg die weltweit größte Anzahl privater Swimming-Pools; ich vermute, dicht gefolgt von Pretoria....

Teerose "Madiba"


Zum Abendessen legt man schnell ein paar Würstchen oder Fleischstücke auf den gemauerten Grill.

Ein solches „Braaivleis“ gehört  zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Südafrikaner und ist fester Bestandteil ihrer Kultur.   Gegrillt wird zu jeder Jahreszeit.



Welche Farbe wollen wir nehmen?
Vielleicht sind die entfernt lebenden Großeltern auf Besuch gekommen. Überfüllte Autobahnen und genervtes Personal in den Urlaubshochburgen wollten sie ebenfalls vermeiden. Und so hat man sich auf einige geruhsame Tage in der Stadt eingestellt, die ohnehin fast ländliche Züge angenommen hat: Es fehlen die üblichen Staus an den Kreuzungen, die Hupkonzerte der Sammeltaxen, die waghalsigen Überholmanöver. Entspannt erreicht die Autofahrerin ihr Ziel – vielleicht einen städtischen Park zum Picknicken. Oder eines der zahlreichen Einkaufszentren – keine schlechte Wahl an einem vor Hitze flimmernden Gautenger Sommertag!


Diese „Malls“ sind kundenfreundlich angelegt – d.h., man findet in regelmäßigen Abständen Bänke, Sofas (!) oder auch den Rand eines Springbrunnens zum Ausruhen. Und kann dabei vielleicht zusehen, wie eine wunderschöne Fee das willig dargebotene Gesicht der kleinen Enkelin mit gaukelnden Schmetterlingen oder kunstvollen Schnörkeln verziert.  Diese Geduld hätte man dem kleinen Wildfang gar nicht zugetraut...

Freitag, 24. Dezember 2010

WEIHNACHTSGRÜSSE

                              
Ich wünsche allen meinen Lesern , ob solo oder mit Familie, ein friedliches, besinnliches Weihnachtsfest
mit vielen Momenter echter Freude - auch wenn es sich nur um einen freundlichen Telefonanruf handelt - sowie Gottes Segen für das neue Jahr!

Clara

P.S.  So sah es bei uns letztes Weihnachten aus.


Wer traurig ist, möge es mit Peter Rosegger halten:

     Wenn Du recht schwer betrübt bist, daß Du meinst, kein Mensch auf der Welt könne Dich trösten, so tue jemand etwas Gutes, und gleich wird's besser sein.

(Diesen Spruch hatte mir einst eine Lehrerin in mein Poesiealbum geschrieben.  Im Laufe der Jahre wurde er zu meinem Lebensmotto.  Ich kann daher aus Erfahrung sagen:  Er funktioniert!)

Mittwoch, 22. Dezember 2010

EIN GESCHENK IN LETZTER MINUTE...

In zwei Tagen ist Heiligabend! Fehlt noch ein kleines Geschenk oder Mitbringsel? Wie wäre es mit einem selbst hergestellten Cappuccino-Likör?


Er schmeckt einfach wunderbar! Und die Zutaten haben Sie vielleicht sogar auf Vorrat im Haus. Ansonsten ist nur ein wenig Geduld und Zeit erforderlich; tatsächlich – nur ein bißchen.

Zutaten

3 Stückchen* weiße Schokolade
1 Stück Milchschokolade
90 g Zucker
30 ml verschlagenes Ei**
200 g Sahne
30 ml (2 Eßlöffel) frisch aufgebrühter, starker Kaffee
125 g Whiskey

Und so geht’s:

100 ml Sahne abmessen. Schokolade und Zucker bei mäßiger Hitze und unter ständigem Rühren in der Eier-Sahne-Masse schmelzen lassen. Restliche Sahne, Whiskey und den Kaffee zugießen. Und nun kommt der geduldige Teil: So lange weiterrühren, bis die Flüssigkeit BEGINNT, etwas dickflüssiger zu werden. Dann sofort von der Herdplatte nehmen. Nicht kochen lassen! (Hin und wieder die Flüssigkeit über einen Löffelrücken rinnen lassen. So erkennt man, wie sich die Konsistenz verändert).***

*     Gemeint sind die kleinen Vierecke (meist vier pro Reihe)
**   Da Eier in verschiedenen Größen erhältlich sind, ist die Angabe in ml zuverlässiger
*** Wer einen Koch-Thermometer besitzt, muß lediglich darauf achten, daß die Temperatur nicht höher klettert als 90°C.

Gutes Gelingen!

Fotos:
1 - Die Blütenfarbe dieser Canna reichen von zartem Gelb bis hin zu Aprikose. 
2 - Minka beim Ausspannen.  Ist ja auch zu strapaziös, der Katzenalltag....
3 - Hibiskus























Sonntag, 19. Dezember 2010

GARDINENPREDIGT

In Südwestdeutschland, meiner Heimat, würde man dazu sagen: "Jemandem die Leviten lesen." Dies passierte mir gestern Abend.

Als wir vor einigen Jahren Zimbabwe verließen, da blieb der freundschaftliche Kontakt zu unserer Kindergärtnerin dort bestehen. Zunächst über Briefe; manchmal wurden auch kleine Päckchen versandt - die ältere Dame liebte Belgische Schokolade über alles! 

Später holte der in Südafrika lebende Sohn die Mutter in seine Nähe, in ein Altersheim in Johannesburg, und somit wurde es auch für uns möglich, ihr hin und wieder einen Besuch abzustatten.

Seit dem Heimgang unserer Tochter erhalte ich im Rhythmus von etwa drei Wochen einen tröstlichen Telefonanruf von der betagten Lehrerin.  Meist erinnert sie mich an die Jahre in Zimbabwe und daran, daß ich eine ihrer „besten Mamas“ war.

Der gestrige Anruf gestaltete sich anders als erwartet und begann wie folgt: „...was mir seit unserem letzten Gespräch auf der Seele lastet....Sie haben gesagt, dieses Jahr gäbe es kein Weihnachten für Sie. Also – das geht nicht! Sie müssen doch das Christuskind willkommen heißen! Wissen Sie noch, wie Sie damals in Zimbabwe die Wohnung geschmückt, Kekse und Kuchen und Lebkuchenhäuschen gebacken haben? So, und am Montag fangen Sie damit an! Wäre dies möglich, dann würde unser Mädchen Ihnen das gleiche sagen!“

Yes, Ma’am! Der Anruft ließ mich etwas sprachlos, aber die mütterliche Frau hatte ja recht...



Zwar kann ich mich trotzdem nicht dazu aufraffen, die Kartons mit Weihnachtsschmuck auszupacken - aber die Hefte mit den Backrezepten habe ich mal hervorgeholt...