Donnerstag, 22. Dezember 2011

TRINKGELD NICHT EINGESCHLOSSEN!



Der Dezember ist in Südafrika nicht nur Weihnachtsmonat; er steht auch für die sog. 'schönste Zeit des Jahres', die Großen Ferien.

Arbeitgeber entlassen ihre Belegschaft in den wohlverdienten Jahresurlaub, und auch die Haushaltsperlen oder Gartenhilfen reisen zu ihren Familien aufs Land. Viele Südafrikaner erwarten in diesen Tagen Besuch aus Übersee. Töchter oder Söhne, die sich in England, Nordamerika oder Australien bessere Lebensbedingungen erhofften, besuchen mit ihren Familien die alte Heimat und die Eltern. Enkelkinder werden begeistert in Augenschein genommen, und in den vielbesuchten Einkaufszentren, sonst ein Bild der Hektik, fallen nun eher gemütlich schlendernde Großfamilien ins Auge.

 

             
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Allerdings hält man sich in Pretoria nicht lange auf. Besuch sowie die Weihnachtsgeschenke für die Familie
 werden ins Auto verfrachtet, und los geht's in die Ferien - zum Sommerhaus,das an der Küste wartet, in ein Buschhotel, oder auch zu den entfernter wohnenden Verwandten.

Und so ist der Dezember wie kein anderer ein Monat der Begegnungen von Mensch zu Mensch . Begegnungen, die häufig dort stattfinden, wo es sich am besten plaudern läßt:


Bei gutem Essen und Trinken!


Für den reibungslosen Ablauf in Restaurants, Cafés, Waffelbuden, etc. sorgt eine Truppe 'dienstbarer Geister`, denen man meist erst dann Beachtung schenkt, wenn ein Versäumnis oder ein Fehler aufgetreten ist: den Kellnern oder Kellnerinnen.
Es gibt Hotels und Restaurants, die einer Rechnung zehn Prozent hinzufügen - Trinkgeld, das an die Bedienung weitergereicht wird.  Diese Methode ist jedoch nicht oft anzutreffen. In der Regel wird es dem Gast überlassen, in welcher Höhe er ein Trinkgeld geben möchte - wenn überhaupt! 


Dies ist dann die einzige Einnahme der Kellner(innen), nach stundenlanger, ermüdender Geschäftigkeit! Und oft ist auch eine bestimmte Kleidung vorgeschrieben, die ebenfalls aus der eigenen Tasche bezahlt werden muß!


Sehr häufig wohnen solche Beschäftigte in 'Townships' - Stadtteilen, die hauptsächlich von der schwarzen Bevölkerung bewohnt werden, weil Wohnungen dort viel billiger sind oder die Familie dort wohnt.  Der Nachteild:
 Man braucht ständig die Dienste der Sammeltaxis, um zu einem gewünschten Ziel in der Stadt zu gelangen. Diese Fahrt muß natürlich ebenfalls bezahlt werden.

Es ist durchaus nicht ungewöhnlich daß an einem Wochentag mit wenigen Gästen einem solchen dienstbaren Geist nur zwanzig Rand verbleiben!

Touristen aus Amerika oder Europa zweifeln oft an der Richtigkeit einer solchen Behauptung. "Sie kellnern hier den ganzen Abend ohne eine Vergütung ihres Arbeitgebers? Na, wenn das mal stimmt...."







Oh ja - es stimmt! Und eine Liste mit arbeitssuchenden neuen Leuten ist ebenfalls immer vorhanden...

Auch unsere Tochter 'jobbte' während ihrer späteren Schuljahre hin und wieder als Kellnerin. Was es uns ermöglichte, 'hinter die Kulissen' zu schauen. Und wir gelangten zu der Überzeugung: 20 Prozent auf den Rechnungsbetrag!

Wir haben diese Gewohnheit beibehalten.

"Versprochen, Illana!"









Kommentare:

  1. Liebe Clara,

    das hört sich an wie hier in Bayern, hier sagt man "Die stade Zeit". Das ist die Adventszeit. Bei Euch scheint es auch ruhiger zu sein. Wobei das hier in Deutschland ja anders ist. Hier wird hektisch nach Geschenken gesucht, die Innenstädte sind voll. DAS tu ich mir in Zeiten des Internet schon lange nicht mehr an. Es kostet zwar genauso viel, wenn nicht mehr Zeit, weil man dann Preise vergleicht usw. Aber es ist nicht so hektisch ... ein Kaffee steht neben mir und ich "kaufe" ein.

    Ich habe das schon in mehreren Ländern "erfahren", dass dort das Trinkgeld die einzige Einnahmequelle der Kellner und Kellnerinnen ist.

    Ich wünsche Dir ein gesegnetes Weihnachtsfest.

    Liebe Grüsse
    Angelika

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  2. Liebe Angelika -
    Oh ja, das Internet hat durchaus seine Vorzüge...

    Danke Dir, daß Du meine Anmerkung bezüglich der - fehlenden - Bezahlung bestätigst; wie erwähnt, wird dies oft angezweifelt.

    Dir ebenfalls ein besinnliches Weihnachtsfest,

    Gruß,
    Clara

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  3. Ich staune, also hat es, seitdem mir mein Vater vor vielen, vielen Jahren die gleiche "Geschichte" mit dem Trinkgeld in SA erzählte, keine Verbesserung gegeben!! Das scheint ein langer und harziger Weg zu sein...auch in anderen Ländern.
    Viele Grüsse,
    Barbara

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