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Freitag, 25. Februar 2011

HADEDA IBIS

Südafrikaner, die nach längerem Auslands-    aufenthalt nach Hause zurückkehrten, vertrauten mir manchmal an: „..ganz besonders vermisste ich den Ruf der Hadedas!“ Worauf ich dann erwiderte:          „Verstehe ich. Mir ging es ebenso!“

Als wir nach  Jahren in Deutschland nach Südafrika zurückkehrten, da schien mir das durchdringende „Ha-ha-de-dah!“ dieser großen Vögel wie ein Willkommensgruß!

Hadedas halten sich gerne bei den Menschen auf . Zu zweit oder auch mehreren durchstreifen sie städtische Parks, die Gärten – oder auch den Grünstreifen entlang einer stark befahrenen Straße. Ihr auffallend langer und spitzer Schnabel eignet sich perfekt dazu, Leckerbissen wie Würmer aus dem Erdreich zu ziehen. Auch Schnecken stehen auf ihrer Speiseliste – dies alleine ist schon Grund genug, sie gerne in meinem Garten zu sehen!

Um die Ibisse zum Besuch zu animieren, bestellte
ich zwei Artgenossen aus Metall.  Der Trick
funktionierte!


Strauchrose Blue Bayou

Besonders lieb wurde uns eine stets wiederkehrende Hadeda-Familie; Mama, Papa und Kind; letzteres etwas kleiner und heller gefiedert als die Eltern. Der Vogel behielt diese seltenere Färbung auch als er die Größe der Eltern erreicht hatte.

 Hadedas vermählen sich 'auf immer'.  Stirbt ein Partner, so bleibt der andere solo.
Geissblatt (Lonicera)

 Einst besuchte uns regelmäßig ein solcher Single. Er (oder sie) ließ sich viel Zeit bei der Futtersuche. War das „Ha-ha-de-dah!“ eines vorbeiziehenden Ibispaars zu vernehmen, dann unterbrach unser Besucher seine Bodeninspektion und stand minutenlang still; mit erhobenem Köpfchen, ganz offensichtlich dem leiser werdenden Ruf seiner Artgenossen lauschend. Nach beendeter Mahlzeit flog er schließlich auf die Backsteinmauer der Kompostecke und verblieb dort längere Zeit – bis er sich irgendwann auf perlmuttglänzenden Flügeln erhob und weiterzog.

Wir schlossen den einsamen Hadeda in unser Herz. Entdeckten wir ihn im hinteren Garten – ruhiger gelegen und daher beliebter bei den Vögeln - dann blieben wir diesem Bereich fern, um ihn nicht zu erschrecken. Und Leila hatte ohnehin gelernt, den Ibissen mit Distanz zu begegnen...

Nicht jeder liebt die Vögel und ihr lärmendes Rufen. Ich erinnere mich an den Leserbrief eines Gartenmagazins. Die Schreiberin beschwerte sich über die Hadedas, die in einem Eukalyptusbaum in ihrer Nähe nisteten und sie allmorgentlich durch ihr Geschrei weckten. Könne man bitte dafür sorgen, daß der Baum entfernt werde? Schließlich gehöre er zu den invasiven Gewächsen...

Ich freute mich über die Antwort des Biologen: Man könne nicht einfach einen Baum umhauen, nur weil die Vögel, die darin nisteten, stören, usw.

Eukalyptusbaum und Hadedas hatten eine Runde gewonnen.





Donnerstag, 24. Februar 2011

EBENFALLS UNERWÜNSCHT: DER EUKALYPTUSBAUM...

Auch der Eukalyptus-Baum oder „Blue-Gum“ - ebenfalls ein Ausländer, natürlich aus Australien stammend - fiel in Ungnade.



Man stört sich an dem hohen Wasserverbrauch des Baums. Jedoch bescherten die Sommerregen der letzten Jahre Wassermassen von ungewöhlichem Ausmaß; die Dämme, Hauptlieferanten des Trinkwassers, flossen über. Und täglich versickern Unmengen wertvollen Trinkwassers durch schadhafte Leitungen oder Wasserrohrbrüche als Folge von Achtlosigkeit bei Bauarbeiten, usw.

Vor diesen Tatsachen scheint die Verurteilung des Blue-Gums,  der immerhin seit mehr als hundert Jahren die Landschaftr Südafrika’s mitprägt, sehr oberflächlich.

Übrigens sind die Bäume der bevorzugte Nistplatz der Hadeda’s....(um diese großen Vögel geht es in meinem nächsten Beitrag).

Sonntag, 20. Februar 2011

CANNA INDICA

In diesem und meinem nächsten Beitrag stelle ich nochmals zwei Vertreter von der langen Liste der unerwünschten Gewächse vor. Und verabschiede damit dieses eher deprimierende Thema...

Was halten Sie z.B. vom Schicksal der Canna indica? Besucher Südafrikas, die das Land per Auto oder Bus bereisten, werden sich vielleicht an diese Cannasorte in flammendem Orange erinnern. Sie leuchten in brachliegendem Gelände; tauchen unverhofft nach einer Wegebiegung in einem eher unwirtlichen, trockenen Landstrich auf; sind anspruchslos und – verglichen mit anderen Cannasorten – außergewöhnlich robust.

Laut der maßgeblichen Behörde besteht ihr Vergehen  darin, daß ihre schnellwachsenden Rhizome einheimischen Gewächsen keinen Raum lassen – ein bizarrer Vorwurf, wenn man bedenkt, daß es sich bei diesen Gewächsen meist um Unkraut handelt, dem z.B. die Farmer mit radikalen Mitteln zu Leibe rücken. 





In meinem Garten bilden die Indicas den Hintergrund für meine Gemüsepflanzung. Ihre Stengel erreichen eine Höhe von ca 2, 5 Metern, verbergen somit den Blick auf die mit Stacheldraht versehene Kuppe der Gartenmauer und sind leuchtende Kulisse für Spinat, Bohnen, Erdbeeren, Paprika, usw. Und was ihre ‚agressiven’ Rhizome betrifft: Im Herbst oder Winter werden die vorwitzigen neuen Rhizome abgetrennt. Das war’s auch schon.

Dienstag, 15. Februar 2011

AUSSERIRDISCHE UND EINDRINGLINGE

Unter der großen Strelitzie am Tor hat sich ein Wandel-     röschen eingefunden. Blätter und Blüten streifen sanft über die Fahrerseite des Autos beim Verlassen des Grundstücks, und etwas von dem typischen Duft des Strauchs – er erinnert an Brombeeren – erreicht auch das Wageninnere. Ganz so, als würde das Wandelröschen mir hinterherrufen: „Tschüß, bis nachher!“


So wie die Jakarandas stehen auch die Lantanas – so die lateinische Bezeichnung – auf der Liste der unerwünschten Pflanzen Südafrikas. Man wirft ihnen vor, daß sie keine natürlichen Feinde haben, ihre Samen zu langlebig und mittels Wind und Vögeln verbreitet werden (wie sonst??) – und ähnlich absurde Anklagen, damit man ihnen das Schreckenswort „Aliens –also Außerirdische oder Fremdländische“ oder „Invaders – Eindringlinge“ anhängen darf.


Steht nicht auf der Liste: Kletterrose Panerosa
 Es ist einige Jahre her, seit mir in einem Gartenmagazin diese Bezeichnung zum ersten Mal auffiel. In Gedanken sah ich agressive, starkwüchsige Gewächse vor mir, die meinen gehegten und umsorgten Stauden und Sträuchern den Lebensraum streitig machen würden – vielleicht durch ein diabolisches Wurzelgeflecht, das in kurzer Zeit meinen Gartenboden durchdringen würde? Oder durch rassantes Wachstum, meinen Pflanzen Licht und Luft verwehrend?

Nichts von alledem war der Fall, wie sich herausstellte. Daumen und Zeigefinger genügen – und das kriminelle Solanum mauritianum, z.B. – ebenfalls auf „der Liste“ stehend - hat sein Leben eingebüßt. Auch wenn ich das Pflänzchen das Babyalter hinter sich haben, genügt immer noch ein kurzes, festes Zupacken, und das Solanum ist entwurzelt - die Gefahr gebannt! Dagegen bereitet mir das ‚echt südafrikanische’ Unkraut viel mehr Arbeit.

Und so darf auch die Lantana, meine duftende Torwächterin, gerne im Garten wohnen bleiben.







Freitag, 11. Februar 2011

SONNE BESSER


Es hatte den Anschein, als würde es immer so weitergehen:  Jeder Tag brachte neue, bisweilen sinnflutartige Regenfälle. Zwar blieben dem Land Katastrophen von den Ausmassen wie in Australien oder Südamerika erspart, aber für viele Menschen bedeutete der Dauerregen große Probleme.   Dies hörte man - und glaubte es auch gerne.  Aber – wie so oft – muß man die Betroffenen persönlich kennenlernen, um sich der Tragweite einer schwierigen Situation bewußt zu werden.

Diese Gedanken beschäftigten mich als wir gestern Rose begegneten.

Mit einer Freundin hatte ich Ludwig’s Rosenfarm besucht. Eine Arbeiterin schien den gleichen Weg zu haben wie wir, und wir luden sie ein, mitzufahren. Und in der Tat – die junge Frau mit dem passenden Namen „Rose“ wollte nach Pretoria.

Während ich mich auf den Verkehr konzentrierte, versuchte Charly, sich mit Rose zu unterhalten:

Charly: „Dieser viele Regen tat gut, nicht war, Rose?“

Rose lächelt – und schweigt.
Charly: „Man kann jetzt so richtig tief durchatmen! Die Luft ist so sauber. Nicht so staubig wie sonst!“

Rose llächelt – und schweigt.

Charly gibt nicht auf: „...aber es war doch an der Zeit, daß die Sonne zurückkehrte, nicht wahr?“

Rose (lächelt): „Viel Regen nicht gut. Viel Schlamm auf Wegen. Viel Schlamm, wo Haus ist. Kleider nicht trocknen.  Sonne besser.“

Mir geht es wie Rose. Ich finde ebenfalls die Sonne besser! Seit gut 10 Tagen ist endlich Spätsommerwetter angesagt! Der Tag beginnt mit Sonnenschein; nachmittags stellt sich vielleicht ein kleines Gewitter ein, oder ein kurzer Regenschauer.

Und ich freue mich, daß ich die erste Tasse Kaffee des Tages wieder unter der Akazie trinken kann......

Samstag, 29. Januar 2011

MANZI GEHT ZUR SCHULE


Sie gehören zum Straßenbild Afrika’s: Junge Mütter, Säugling oder Kleinkind auf dem Rücken festgebunden, im Schlepptau die nur wenig älteren Geschwister (oder Kinder der Schwester, Kusine...)

 Warum ich ihr im Rückspiegel einen zweiten Blick gönnte – ich weiß es nicht. Jedoch fiel mir die Erschöpfung im schweißnassen Gesicht auf. Ich hielt und bot an, sie mitzunehmen. „Ich fahre Richtung Mamelodi“, erkärte ich. „Nein, danke!“. Ihr Ziel war das Stadtzentrum. . Aber könnte ich ihr vielleicht bei einem dringenderen Problem etwas beistehen?



 Dieses Problem bestand darin, daß ihre Älteste nächste Woche eingeschult würde – und einfach kein Geld da war, um die benötigten Schulsachen zu kaufen.
Die untereinander aufgelisteten Artikel füllten eine A4-Seite. Abacus (Rechenschieber); 24-teiliges sowie 50-teiliges Puzzle; Überzug für die Stuhllehne, 9 Rollen Toilettenpapier   ......    erschwinglicher würden nur die geforderten 12 Bleistifte sein!  Für eine alleinstehende, arbeitslose Mutter von drei Kindern würde alles andere eine beachtliche Ausgabe sein.

Ich ließ mir die Liste aushändigen.    „Versprechen kann ich nichts“, sagte ich. „Aber mit einigen Sachen werde ich Ihnen sicher helfen können.

Abends kam mir unsere Frauengruppe in den Sinn.  Jedoch - die Weihnachtszeit war gerade mal vorüber – Wochen mit Bittbriefen und Aufrufen verschiedenster Wohlfahrtsorganisationen... Viele Frauen unseres Treffs unterstützen solche Anliegen; finanziell oder mit Engagement vor Ort.  Konnte ich es wagen, schon wieder ein Anliegen vorzubringen?

Ich konnte!  Im Laufe der nächsten zwei Tage versicherten mir fast alle Damen ihre Hilfe. Die meisten von ihnen befanden sich noch in den Sommerferien und teilten mir mittels SMS mit, für welchen Artikel ich sie ‚abhaken’ dürfe.  Krissy brachte 100 Rand vorbei. „Wie seltsam“, sagte sie. „Gestern abend beschäftigte ich mich mit meinem Budget und nahm mir vor, 100 Rand beiseite zu legen für einen guten Zweck. Und dann schickst Du mir am späten Abend diese SMS!“

Wenige Tage später traf ich mich wieder mit der Mutter. Ich durfte ihr die gute Nachricht überbringen, daß ihr großes Mädchen dem ersten Schultag mit Zuversicht entgegensehen konnte. Wiederholt dankte sie mir, und Manzi hüpfte glücklich neben mir her. Von nun an ließ sie keine Gelegenheit aus, mich an der Hand zu fassen!

Es bedurfte einiger gezielter Fragen, bis ich erfuhr: Auch die vorgeschriebene Schuluniform war nicht vorhanden! Mir fielen die Euros ein, die mir eine Freundin aus Deutschland „für solche Zwecke“ zugesteckt hatte. Sie reichten aus, wunderbarer Weise, für die Sommer-Uniform – 2 T-Shirts, Shorts, Turnschuhe, 2 Paar Socken- sowie eine Schulmappe.  So viel Glück für Manzi!

Bald darauf fand das erste Frauentreffen des neuen Jahres statt, und man war sich einig: Es hat gut begonnen, das Jahr!

Fotos:

(1) Ob Manzi wirklich ein Engel ist? "Ist sie!" erklärt ihre Mama
(3) Kinder in einem Waisenhaus - hier fehlt es an wenig, wie man sieht...
(4) Marshmellow-Canna

Donnerstag, 27. Januar 2011

JAKARANDAS (2)

Pretoria trägt den Titel „Stadt der Jakarandas.“ Die frühen Siedler pflanzten die Bäume entlang der Straßen ihrer Regierungshauptstadt. Viele der ausländischen Botschaften befinden sich auch noch heute in solchen historischen Stadtteilen, in unmittelbarer Nähe dieser prachtvollen Bäume.

Jakarandas sind keine „echten“ Südafrikaner; ihre Heimat ist Südamerika.  Jedoch wurden sie in dem klimatisch ähnlichen Highveld bald heimisch. .

In den neunziger Jahren und mit Beginn der „südafrikanischen Wende“ fielen die geliebten Bäume in Ungnade: Sie seien „Aliens“ – Fremde, hieß es, und bedrohten die heimische Flora(!). Übereifrige Naturschützer begannen mit dem bizarren Programm, alle nicht-südafrikanischen Pflanzen aus der Natur – und wenn möglich, den Gärten – zu entfernen. Auch die Jakarandas standen auf der Liste.  Pretoria’s Bürger, stolz auf ihre traditionsreichen Bäume, widersetzten sich diesem Ansinnen energisch. Mit Erfolg - das Verbot bezieht sich nun 'nur' auf Neupflanzungen...

... und somit bleiben sie auch weiterhin Boten des Frühlings in Gauteng.


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Links:  Der Fußball des Telkom-Turms wurde nach der WM entfernt.