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Freitag, 8. April 2011

EINE REISE VON KAPSTADT NACH PRETORIA (3)


Der Oranje

Kurz nach Colesberg überqueren wir den Oranje River, der längste Fluß des Landes. Er bildet die Grenze zwischen den Provinzen Nördliches Kapgebiet und Free State. Der Fluß trägt viel Sand mit sich, was seinem Wasser eine rötlichbraune Färbung verleiht – daher sein Name.


...und noch einmal.

Der Free State bildet immer noch das Herz des ‚Afrikaner-   doms’. Als vor knapp 200 Jahren die Buren das Kapgebiet verließen, weil sie mit der Politik der neuen Herren dort, der Engländer, nicht einverstanden waren, da spannten sie hier ihre Ochsenwagen aus. „Hier ist gutes Land“, sagten sie. Weites, sanft gewelltes Grasland soweit das Auge reicht; hin und wieder unterbrochen von einem „Koppie“ (Hügel) – perfekt für die Schaf- und Rinderzucht. Noch heute haben die großen Rinderfarmen im Free State ihr Zuhause – Biofleisch pur..



Ein "Koppie" (Hügel) - Typisch für jene im Free State
sind die abgeflachten Spitzen


Würden wir uns nun nach Osten wenden, so begegneten uns landwirt-   schaftliche Farmen. Und nun verändert sich das Terrain – wir nähern uns den Drakensbergen. Dieses gewaltige Gebirgsmassiv zieht sich an der östlichen Kante des südlichen Afrikas entlang. Einige Bergspitzen sind über 3000 m hoch; Schnee im Winter ist nichts Ungewöhnliches. Wir könnten dem Königreich Lesotho einen Besuch abstatten. Der autonome Zwergstaat, Heimat der Basutos, trägt den Beinamen „Königreich der Berge“ völlig zu recht. Und schließlich erreichten wir den Süden der am Indischen Ozean gelegenen Provinz Natal ...

 
Hoher Himmel, weiter Horizont

Für mich persönlich gehören die Ausläufer dieser Berge zum Schönsten, was Südafrika’s Natur zu bieten hat. Das Gebiet läßt sich wunderbar bewandern. Bäche mit klarem, sauberen Wasser, eine Vielzahl an Wildblumen und Vogelarten, Wasserfälle, Gebirgsschluchten, liebliche Täler – Herz, was begehrst Du mehr?


Jedoch wir wollen nach Pretoria, und somit bleiben wir auf der Autobahn N1 nach Norden


.









 


Mittwoch, 6. April 2011

EINE REISE VON KAPSTADT NACH PRETORIA (2)


Die Niederdeutsch-Reformierte Kirche

Am späten Abend erreichen wir endlich Colesberg; hier wollen wir übernachten. Das Städtchen liegt an der Grenze zum Freestate, der nächsten Provinz auf unserem Weg nach Pretoria.

Colesberg bietet sich als idealen Zwischenstop an – ob man, vom Kapgebiet kommend, nach Gauteng oder weiter reist, oder umgekehrt. Übernachtungsmöglichkeiten sind reichlich vorhanden; auch die lokale Gastronomie hat sich auf die Durchreisenden  eingestellt.






Da noch ein weiter Weg vor uns liegt wollen wir am nächsten Morgen unverzüglich weiterreisen. Nur noch schnell zur Apotheke.


Um einiges bescheidener:  Die Anglikanische

„Im Zentrum gibt es eine“, sagt man uns. Wir entdecken sie im zweiten Anlauf – und außerdem ein Colesberg, das uns unbekannt war! Winzige Kaffeegärten, kleine Pensionen und Privathäuser, blumen-     geschmückt und bunt bemalt. Schätzungsweise jedes dritte Haus bietet Übernachtung mit Frühstück an. „B/B“ (Bed and Breakfast) steht auf dem Schild, das über der Pforte schaukelt. Oder man hat es in bunten Farben gleich auf die Hauswand gepinselt .





Das imposante Gotteshaus der niederdeutsch-reformierten Kirche scheint, gemessen and der Größe der kleinen Siedlung, überwältigend.

Eine Pension

Ich teile dem Apotheker meine Beobachtungen mit. Der ältere Herr ist sehr erfreut über mein Interesse an seinem Heimatort. Und so erfahre ich, daß Colesberg im Burenkrieg eine wichtige Rolle spielte; daß jene Häuschen deshalb so winzig sind, weil sie lediglich „Stadtwohnung“ für die kurzen Geschäftsbesuche der weit entfernt wohnenden Farmer waren...die Karoo-Nomaden? Nein, davon habe ich ebenfalls noch nichts gehört....





Ganz Konzentration



Und auf einmal hat jener Punkt „Colesberg“ auf der Landkarte, der bisher nur als Stop-Over Relevanz hatte, Gesicht angenommen.

Wir beschließen: Das nächste Mal suchen wir uns eine B/B-Pension in einer dieser kleinen Gassen.




Dienstag, 5. April 2011

EINE REISE VON KAPSTADT NACH PRETORIA (1)

 (Hatte Probleme mit dem Aufladen der Fotos.  Jetzt klappt's.)
Auf einem Kapstädter Friedhof:
Er bewacht das Grab seiner Herrin


 Der Anlaß für die Reise nach Kapstadt war ein zutiefst trauriger – ein Todesfall in der Familie meines Mannes. Flug nach Kapstadt; Rückreise per Auto.

Die Entfernung zwischen Kapstadt und Pretoria beträgt etwa 1 500 km; eine Strecke die, verteilt über zwei Tage, locker zu bewältigen ist. Locker – d.h. bei zügiger Fahrweise und begrenzten Aufenthalten. Die Höchstgeschwindigkeit auf Südafrikas Straßen beträgt 120 km/h und es ist ratsam, sich an diesem Limit zu orientieren. Ein Strafzettel kann teuer werden.

Hiermit also ein kleiner Bericht über unsere Reise.

Typisches  Karoo-Panorama
 Für den ersten Abschnitt des Wegs nach Norden bieten sich zwei Alternativen an: Die erste Route bewegt sich in Nähe der malerischen Küste und durchquert das Herzland der Straußenzucht. Es versteht sich, daß man für diese Wahl etwas Zeit mitbringen sollte. Wir wollten so bald wie möglich zu Hause sein, daher entschlossen wir uns für die direkte Strecke.

Schon bald nach Kapstadt beginnen Pässe und Tunnels, die den Aufstieg in Hochebenen des Inlands ermöglichen. Wir durchqueren fruchtbare Täler mit Hinweisschildern auf Weinfarmen und Obstplantagen – oft malerisch gelegen zu Fuß eines gewaltigen Gebirgsmassivs. Und nun verändert sich die Landschaft. Das üppige Grün des fruchtbaren südlichen Kapgebiets bleibt zurück - wir sind in der Karoo angekommen.

Der "Blue Train" begleitet uns
ein Stück des Weges

Ein beachtlicher Teil des Landesinnern dieses südlichen Zipfels Afrikas wird von dieser Halbwüste eingenommen. Man benötigt eine große Liebe für diese karge, abweisende Region – oder viel Geduld. Denn viele Stunden lang zeigt sich nun dem Reisenden die gleiche eintönige Topografie: Sanft geschwungene, aber geröllige Hügel, die sich zum hitzeflimmernden Horizont hin aufzulösen scheinen. Hat man eine dieser fernen Kuppen erreicht, dann bietet sich akkurat das gleiche Bild: Sanft geschwungene, aber geröllige Hügel...... Unbewußt sucht das Auge etwas zum Festhalten – und freut sich beinahe über das glitzernde Wasserrad, das hin und wieder auftaucht; entlang der Straße oder halbversteckt zwischen den langgezogenen Hügeln. Es gibt einige Schaffarmen und – weitverstreut – kleinere Ansiedlungen in dieser Einnöde – ich denke, ansonsten nicht viel mehr. Wer der Welt mit ihrem Lärm und verseuchter Luft entfliehen und dem Firmament besonders nahe sein möchte – er möge die Karoo in Erwägung ziehen! Die nächtliche Sternenpracht ist unvergleichlich.


Schroffe Gebirge und Schluchten
weisen den Weg ins Herzland der Karoo


Als wir vor drei Jahren die gleiche Reise unternahmen, aber mehr Zeit zur Verfügung hatten, da entdeckten wir etwas abseits der Strasse – eine Olivenfarm! Wir waren einfach einem kleinen Hinweisschild gefolgt. Zusehends war die Vegetation entlang des schmalen Fahrwegs grüner geworden, bis schließlich die Olivenhaine mit ihrem satten Silbergrün begannen. Als Wirtschaftsgebäude und Gästehaus nach einer Wegebiegung auftauchten, adrett weiß getüncht und inmitten tiefgrüner Pferdekoppeln, da waren wir sprachlos. Dies hatten wir nicht erwartet – inmitten dieser Einöde!




Donnerstag, 24. März 2011

EISKAFFEE KILI


Eiskaffee Kilimanscharo

Regen, Regen .. Zerflederte Cannas, erschöpft schwankende Rosenköpfchen...

Da bleibt der Gärtnerin nichts anderes übrig, als sich zum nächsten Woolies-Cafe zu begeben, um einen Kili zu trinken. (Ok – die mit „dringend“ markierten Eintragungen im Tagesplaner übersehen wir mal...)

Woolies“ ist die liebevolle Abkürzung für Woolworth, ursprünglich eine Supermarktkette, aber schon seit vielen Jahren zu einem Kaufhaus avanciert. (N.B. Keinerlei Verwandschaft mit den Woolworth-Warenhäusern in Deutschland, deren Mutterfirma in den Staaten sitzt (oder saß – kenne mich da nicht mehr so gut aus))

Woolies Lebensmittel kosten ein paar Rand mehr, stehen jedoch für Qualität. Mir persönlich ist die Kette deshalb sympathisch, weil sie nur Eier von freilaufenden Hühnern führt. Usw...

In die Gastronomie hat sich Woolies erst vor einigen Jahre vorgewagt. Ebenfalls mit Erfolg. Ich bin besonders von der Auswahl an Gemüsegerichten beeindruckt; raffiniert zubereitet und serviert...


Auch das Auge kommt auf seine Kosten:
Woolies' Cappucino
Genug der Schwärmerei. Schließlich habe ich keine Aktienanteile an der Firma..

Der Eiskaffee Kili ist erst seit Januar im Angebot. In jenem Monat fand eine Woolies-Expedition zum Gipfel des Kilimandscharo statt, dem höchsten Berg Afrikas. Man wollte auf die Erwärmung der Polarkappen aufmerksam machen (was sich natürlich auch hervorragend als Werbekampagne anbot). Denn die Kaffeefarmer am Fuß des Kili sind auf die Schmelzwasser der vereisten Kuppe angewiesen. Und dort oben, auf dem Gletscher des Kilimandscharo, kreirte das Woolies-Team den „Kili“ oder „Eiscafe Kilimandscharo“: Espresso, Sahne, verschiedene Gewürze (die natürlich nicht verraten werden) – und Gletschereis.


Lecker. Und echt cool.

Samstag, 19. März 2011

DIE GOTTESANBETERIN

Zulu Royal
Welche Gärtnerin würde sich in der folgenden Situation nicht wieder-
erkennen?





Man will nur geschwind die Zweige jener Hecke etwas kürzen. Zwei Stunden später ist man immer noch beschäftigt – nicht mit der Hecke, sondern beim  Unkrautjäten unter den Rosen....



Queen Elizabeth
 So ging es mir heute morgen.



Ich beabsichtigte lediglich, die Graskante unseres Gartenwegs ein wenig zurückzu-   schneiden. Die Kieseinfassung erschwert hier dem Rasenmäher einen akkuraten Schnitt; die wenigen verbliebenen Grasbüschel schneide ich einfach von Zeit zu Zeit mit der Gartenschere nach – kein großer Aufwand.






Montag, 14. März 2011

MINKA


Danke, Gartenliesel - Dein Bericht über den Abschied von Eurem geliebten Haustier war Inspiration für diesen Beitrag.

Unsere Kätzin Minka verließ uns vor etwa 3 Wochen ebenfalls für immer. Ich beabsichtigte nicht, darüber zu berichten – u.a. auch deshalb nicht, weil Erinnerungen an Minka mit denen an Illana verbunden sind. Sie war ihre Katze. Aber Du hast recht – unsere Haustiere sind ein Stück unseres Lebensweges mit uns gegangen; dies ist zu würdigen.

Es war am Morgen nach Illana’s Abreise nach Deutschland, um dort ihr Studium zu beginnen. Ich war beim Wäscheaufhängen, da bemerkte ich Minka auf dem schmalen Sims des Fensters im ersten Stock, das zu Illana’s Zimmer gehörte. Sie sah zu mir herunter, total verärgert, und schimpfte – passender kann man es nicht ausdrücken! Ich verstand sie auch sofort! Was sie in etwa sagte, war folgendes: „He! Wo ist meine Illana? Schaff’ sie wieder herbei – sofort!!

Unsere Tochter hatte Minka’s Zuneigung von ganzem Herzen erwidert. Es kam selten vor, daß sie sich bei einem ihrer Telefonate nicht nach Minka’s Ergehen erkundigte. Anfang letzten Jahres dann erreichte mich jener Anruf, den ich, so lange ich lebe, nicht vergessen werde: „...ich vermisse mein Zimmer – und Dich, und Papa, und Leila, und Minka!!“



Einige Wochen später kam Illana nach Hause zurück, um im folgenden Jahr das gleiche Studium bei der hießigen Universität zu beginnen. Nichts deutete darauf hin, daß sie nur noch einige Monate bei uns bleiben würde....



Minka kam mit uns, als wir vor einigen Jahren nach Südafrika zurückkehrten. Noch in Deutschland hatte sie einen Sturz aus großer Höhe nur deshalb überlebt, weil ein Facharzt für Kleintiere sie wieder zusammenflickte. An die – rassante - Fahrt über die Autobahn zu jener entfernten Stadt, meine weinende Illana auf dem Rücksitz, kann ich mich noch heute erinnern.



Minka überlebte, dank der Kunst jenes Veterinärs. Aber zeitlebens trug sie eine Metallschiene in ihrem rechten Vorderbeinchen, und beim Ausruhen streckte sie jenes Beinchen aus - anstatt nach Katzenart beide Pfötchen unter die Brust zu rollen. Mit dieser Behinderung würde unser Katzenmädchen sicher keine erfolgreiche Vogeljägerin, mutmaßten wir. Wir irrten uns. Eine der kleineren Wildtauben des Gartens wurde hin und wieder ihr Opfer...



Minka war schon länger nicht mehr bei guter Gesundheit. Die Tierärztin hatte eine Lungeninfektion festgestellt und uns darauf vorbereitet, daß sie nicht mehr lange zu leben habe. Wir wußten, daß der gefürchtete Zeitpunkt gekommen war, als wir sie eines Morgens erschöpft neben dem Wäschekorb fanden – dies war ungewöhnlich. Etwas später hatte sie wieder den Garten erreicht, den Ort, wo sie sich wohl gefühlt hatte. Unter dem blühenden Bougainville, in einer von Leila gescharrten Kuhle, verließ uns Minkchen etwas später.
Es war der perfekte Ort. Sie liebte den Garten und die Plätzchen, auf denen man im Schutz überhängender Zweige die Vögel beobachten konnte. Wir  vermissen sie sehr.






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Dienstag, 8. März 2011

WIE DAS BLAU DES HIMMELS ÜBER GAUTENG



... so leuchten sie wieder, die Blüten der Bleiwurz-    hecken!



Sie benötigten etwas Zeit, bis sie sich von den stürmischen Regenfällen der vergangenen Monate erholt hatten. Plumbago – die Südafrikaner nennen ihn bei seinem botanischen Namen – mag keinen Regen. Schon der Regenguß an einem sommerlichen Spätnachmittag genügt, um der blauen Pracht ein Ende zu bereiten. Neue, winzige Blütenknospen öffnen sich zwar nach einigen Tagen, aber es braucht Sonnenschein, damit sich das irisierende Leuchten wieder einstellt. Auch die Anzahl der Blütendolden ist vom Sonneneinfall abhängig.



Eine Plumbagohecke wächst neben der Einfahrt, eine weitere unter einer  Akazie. Sie erfüllt hier gleich zwei Funktionen: Zum einen stellt sie einen straßenseitigen Blickschutz für (Illana’s) „Blaue Ecke“ dar. Außerdem erlaubt es den Blütenrispen Zugang ins Geäst des Baums. Eine erfolgreiche Klettertour; mittlerweile kann es geschehen, daß man bei der Kaffeepause auf der Schaukel von einem Dach aus wippenden Plumbagos beschirmt wird. (s. auch Schaukelfoto des Beitrags "Sonne Besser" - allerdings hatte sich  zum Zeitpunkt jener Fotos die Hecke noch nicht vom vielen Regen erholt).




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