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Freitag, 22. April 2011

KAROO LIFESTYLE

Der Karoo Lebenstil hat seit einigen Jahren seinen festen Platz in der „Szene“, also dort, wo es um aktuelle Trends geht.





Dieser Trend begeistert besonders in den Zentren der afrikaansen Kultur – wie z.B. in Pretoria.


 Improvisation ist angesagt. Findet ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs keine Verwendung mehr oder ist er gar beschädigt, dann sieht man darin eine Herausforderung: Wie könnte man das gute Stück weiterhin einsetzen? Denn es wird nichts weggeworfen..


Als ich vor einem Gehänge aus deformiertem Blechgeschirr stand und mir gerade überlegte, ob dies zur Verschönerung eines Gartens oder einer Mauer beitrage würde, hatte die Dame hinter mir diese Frage für sich bereits geklärt: Eifrig löste sie die „Liefde“ (Liebe) vom Haken und schritt damit zur Kasse. Na gut...

Manche Verwendungsmöglichkeiten muten seltsam an; andere beeindrucken: „Eine gute Idee! Da muß man erst mal draufkommen!"



Besonders ergiebig zeigt sich die Karoo-Kunst....












Kühe sind eines ihrer Lieblingsobjekte, außerdem Steine (verständlich; das häufigste Vorkommen in der Karoo) und Deko-Artikel aus Blech.







Links. Man mag sich nun mal nicht trennen von dem zerbrochenen Kaffee-Service... 




Typisch für die Karoo-Küche sind Gerichte mit Lammfleisch, schmackhaft und oft sehr einfallsreich serviert. Passenderweise bietet man auch traditionelle südafrikanische Speisen an, z.B. Bobotie, ein Hackfleischgericht, das in der kap-malayischen Küche seinen Ursprung hat, oder diverse Kürbisspezialitäten.


Mein Lieblingsgericht, serviert im Karoo-Restaurant in unserer Nähe, besteht aus einem kunstvollen Assemble aus Pfannkuchenblättern und Pilzen, ähnlich einem Stück Torte; ein großzügiger Klecks Sauerrahm symbolisiert die Sahne. Wohl weniger karoo, aber ausgessprochen „lekker.“





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Mittwoch, 6. April 2011

EINE REISE VON KAPSTADT NACH PRETORIA (2)


Die Niederdeutsch-Reformierte Kirche

Am späten Abend erreichen wir endlich Colesberg; hier wollen wir übernachten. Das Städtchen liegt an der Grenze zum Freestate, der nächsten Provinz auf unserem Weg nach Pretoria.

Colesberg bietet sich als idealen Zwischenstop an – ob man, vom Kapgebiet kommend, nach Gauteng oder weiter reist, oder umgekehrt. Übernachtungsmöglichkeiten sind reichlich vorhanden; auch die lokale Gastronomie hat sich auf die Durchreisenden  eingestellt.






Da noch ein weiter Weg vor uns liegt wollen wir am nächsten Morgen unverzüglich weiterreisen. Nur noch schnell zur Apotheke.


Um einiges bescheidener:  Die Anglikanische

„Im Zentrum gibt es eine“, sagt man uns. Wir entdecken sie im zweiten Anlauf – und außerdem ein Colesberg, das uns unbekannt war! Winzige Kaffeegärten, kleine Pensionen und Privathäuser, blumen-     geschmückt und bunt bemalt. Schätzungsweise jedes dritte Haus bietet Übernachtung mit Frühstück an. „B/B“ (Bed and Breakfast) steht auf dem Schild, das über der Pforte schaukelt. Oder man hat es in bunten Farben gleich auf die Hauswand gepinselt .





Das imposante Gotteshaus der niederdeutsch-reformierten Kirche scheint, gemessen and der Größe der kleinen Siedlung, überwältigend.

Eine Pension

Ich teile dem Apotheker meine Beobachtungen mit. Der ältere Herr ist sehr erfreut über mein Interesse an seinem Heimatort. Und so erfahre ich, daß Colesberg im Burenkrieg eine wichtige Rolle spielte; daß jene Häuschen deshalb so winzig sind, weil sie lediglich „Stadtwohnung“ für die kurzen Geschäftsbesuche der weit entfernt wohnenden Farmer waren...die Karoo-Nomaden? Nein, davon habe ich ebenfalls noch nichts gehört....





Ganz Konzentration



Und auf einmal hat jener Punkt „Colesberg“ auf der Landkarte, der bisher nur als Stop-Over Relevanz hatte, Gesicht angenommen.

Wir beschließen: Das nächste Mal suchen wir uns eine B/B-Pension in einer dieser kleinen Gassen.




Dienstag, 5. April 2011

EINE REISE VON KAPSTADT NACH PRETORIA (1)

 (Hatte Probleme mit dem Aufladen der Fotos.  Jetzt klappt's.)
Auf einem Kapstädter Friedhof:
Er bewacht das Grab seiner Herrin


 Der Anlaß für die Reise nach Kapstadt war ein zutiefst trauriger – ein Todesfall in der Familie meines Mannes. Flug nach Kapstadt; Rückreise per Auto.

Die Entfernung zwischen Kapstadt und Pretoria beträgt etwa 1 500 km; eine Strecke die, verteilt über zwei Tage, locker zu bewältigen ist. Locker – d.h. bei zügiger Fahrweise und begrenzten Aufenthalten. Die Höchstgeschwindigkeit auf Südafrikas Straßen beträgt 120 km/h und es ist ratsam, sich an diesem Limit zu orientieren. Ein Strafzettel kann teuer werden.

Hiermit also ein kleiner Bericht über unsere Reise.

Typisches  Karoo-Panorama
 Für den ersten Abschnitt des Wegs nach Norden bieten sich zwei Alternativen an: Die erste Route bewegt sich in Nähe der malerischen Küste und durchquert das Herzland der Straußenzucht. Es versteht sich, daß man für diese Wahl etwas Zeit mitbringen sollte. Wir wollten so bald wie möglich zu Hause sein, daher entschlossen wir uns für die direkte Strecke.

Schon bald nach Kapstadt beginnen Pässe und Tunnels, die den Aufstieg in Hochebenen des Inlands ermöglichen. Wir durchqueren fruchtbare Täler mit Hinweisschildern auf Weinfarmen und Obstplantagen – oft malerisch gelegen zu Fuß eines gewaltigen Gebirgsmassivs. Und nun verändert sich die Landschaft. Das üppige Grün des fruchtbaren südlichen Kapgebiets bleibt zurück - wir sind in der Karoo angekommen.

Der "Blue Train" begleitet uns
ein Stück des Weges

Ein beachtlicher Teil des Landesinnern dieses südlichen Zipfels Afrikas wird von dieser Halbwüste eingenommen. Man benötigt eine große Liebe für diese karge, abweisende Region – oder viel Geduld. Denn viele Stunden lang zeigt sich nun dem Reisenden die gleiche eintönige Topografie: Sanft geschwungene, aber geröllige Hügel, die sich zum hitzeflimmernden Horizont hin aufzulösen scheinen. Hat man eine dieser fernen Kuppen erreicht, dann bietet sich akkurat das gleiche Bild: Sanft geschwungene, aber geröllige Hügel...... Unbewußt sucht das Auge etwas zum Festhalten – und freut sich beinahe über das glitzernde Wasserrad, das hin und wieder auftaucht; entlang der Straße oder halbversteckt zwischen den langgezogenen Hügeln. Es gibt einige Schaffarmen und – weitverstreut – kleinere Ansiedlungen in dieser Einnöde – ich denke, ansonsten nicht viel mehr. Wer der Welt mit ihrem Lärm und verseuchter Luft entfliehen und dem Firmament besonders nahe sein möchte – er möge die Karoo in Erwägung ziehen! Die nächtliche Sternenpracht ist unvergleichlich.


Schroffe Gebirge und Schluchten
weisen den Weg ins Herzland der Karoo


Als wir vor drei Jahren die gleiche Reise unternahmen, aber mehr Zeit zur Verfügung hatten, da entdeckten wir etwas abseits der Strasse – eine Olivenfarm! Wir waren einfach einem kleinen Hinweisschild gefolgt. Zusehends war die Vegetation entlang des schmalen Fahrwegs grüner geworden, bis schließlich die Olivenhaine mit ihrem satten Silbergrün begannen. Als Wirtschaftsgebäude und Gästehaus nach einer Wegebiegung auftauchten, adrett weiß getüncht und inmitten tiefgrüner Pferdekoppeln, da waren wir sprachlos. Dies hatten wir nicht erwartet – inmitten dieser Einöde!